In den USA gibt es seit 1966 den Equal Pay Day. Dieser Tag markiert symbolisch, bis zu welchem Tag die Frauen unentgeltlich arbeiten müssten, wenn sie für den Rest des Jahres denselben Lohn wie Männer bekommen würden. In Deutschland wurde dieser Tag 2008 ebenfalls ins Leben gerufen. Und leider ist er erstaunlich weit von Neujahr weg: Dieses Jahr wäre es erst am Ende des ersten Jahresquartals am 20. März gewesen.

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In Zahlen beträgt dieser Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen 22% und ist damit praktisch derselbe Wert wie vor zehn Jahren. Im Schnitt verdienen bundesweit Frauen pro Stunde 15,83€; Männer dagegen 20,20€. Auf dem ersten Blick wirkt da der Osten bezüglich Geschlechtergerechtigkeit weitaus fortschrittlicher: Während westdeutsche Frauen 23% weniger verdienen, sind es hier nur 9%.

Nun wird häufig eingewandt, dass diese Zahl irreführend ist, da sie die unterschiedlichen Qualifikationen von Männern und Frauen nicht berücksichtigt. Diese sind im Osten eben homogener. Berücksichtigt man diesen Faktor, kommt man zur bereinigten Einkommenslücke. Damit kommt man deutschlandweit auf einen recht ähnlichen Wert von etwa 7%. Das wirkt zwar deutlich niedriger, aber im internationalen Vergleich ist Deutschland damit zusammen mit Tschechien, Österreich und Estland ganz hinten.

Es gibt auch deutliche Unterschiede zwischen den Branchen: In freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, bei Banken und Versicherungen sowie im verarbeitenden Gewerbe ist die Einkommenslücke besonders groß, während sie beispielsweise in der Wasserversorgung oder im Verkehrs- und Lagerwesen relativ niedrig ist.

Man könnte nun versuchen, den Hauptunterschied nicht im Geschlecht, sondern in der eigenen Verhandlungsfähigkeit um das Gehalt zu suchen. Tatsächlich lassen sich laut Studien 15% der Einkommensdifferenz durch unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale erklären. Und Frauen verhandeln tatsächlich anders als Männer. Und zwar insbesondere, wenn sie alleine sind, wie es eben bei Gehaltsverhandlungen meist der Fall ist. Bei Frauen korreliert eine hohe Verträglichkeit negativ mit dem Einkommen. Laut einer anderen Studie hat dies jedoch nicht mit angeborenen Eigenschaften, sondern eben primär mit der geschlechtsspezifischen Sozialisation zu tun.

Nun könnte man annehmen, durch Tarifverträge würde dieser Faktor keine Rolle mehr spielen. Doch gerade für Führungsposition außerhalb des tariflichen Bereichs gilt dies eben nicht mehr. Zwar verringert sich mit einem immer höheren Ausbildungsniveau der Frauen die Lücke, aber insgesamt ist die Lohndifferenz in diesem Bereich am höchsten. Eine bedeutende Rolle spielt auch die Berufswahl: Frauen arbeiten häufiger in niedrig entlohnten Branchen wie sozialen oder personennahen Dienstleistungen. Und studieren eben auch häufiger Fächer mit niedrigeren Verdienstmöglichkeiten. Und wenn sie nach der Mutterzeit wieder arbeiten, eben häufiger in schlechter bezahlten Teilzeit – und Minijobs. Oft auch unfreiwillig.

Man kann das Blatt also insgesamt drehen und wenden, wie man will: Die tatsächlich existierende Geschlechterungerechtigkeit lässt sich nicht herausrechnen. Wir sind immer noch geprägt von Rollenstereotypen und geschlechtsspezifischen Zuschreibungen. Und unterscheiden zwischen „Frauen-“ und „Männerberufen“. Auch dies ist ein Grund, warum Frauen in Führungspositionen, Stichwort „Gläserne Decke“, nach wie vor unterrepräsentiert sind.

Diese und weitere Zahlen enthält ein Radiobeitrag, den Sie hier (geschnitten) oder auf DRadio Wissen nachhören können.

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