278 Milliarden Euro Entschädigung für die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg fordern griechische Politiker von Deutschland – zufälligerweise gerade zur Zeit klammer griechischer Kassen. Mal angenommen, wir würden uns dazu bereit erklären: Hätten wir dieses Geld einmal eben über oder wie könnten wir es erhalten?

In der Tat existiert ein Entschädigungsfond für Opfer der NS-Zeit mit einer Gesamtauszahlung von bislang 70 Milliarden Euro, wovon Griechenland 115 Millionen erhalten hat. Doch dieser wäre momentan keine große Hilfe: Er schreibt mit -2 Milliarden Euro gerade selbst negative Zahlen. Auch das Sondervermögen des Bundes wäre mit 231,1 Milliarden Euro nicht ausreichend.

Natürlich könnten auch wir zusätzliche Schulden dafür aufnehmen. Doch damit würde die Verschuldung des Bundes von 78% auf 88% des Bruttoinlandprodukts ansteigen. Das Ergebnis wäre wohl eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit, wie es kürzlich auch Österreich widerfahren ist.

Oder soll der Soli Ost durch einen Soli Hellas ergänzt werden? Ersterer bringt im Jahr rund 13 Milliarden Euro. Man wäre also mit einer Laufzeit von 22 Jahren dabei. Alternativ könnte auch jeder Deutsche einmalig 6950 Euro von der Bank abheben. Oder wir streichen Subventionen und Steuervergünstigen: Mit dem Abbau der 20 größten Steuervergünstigungen könnten ebenfalls 20 Milliarden Euro zusätzliche Steuern dem Solidaritätsfond zugeschlagen werden. Oder wir verzichten beispielsweise auf steuerfreie Schichtzuschläge und Ermäßigungen im ÖPNV.

Zuletzt könnten wir natürlich auch die Mehrwertsteuer um einige Punkte erhöhen. Mit einem Satz von 21% hätten wir das benötigte Geld in weniger als 14 Jahren zusammen. Griechische Spezialitäten wären wohl zumindest weiterhin bezahlbar: Ein griechischer Joghurt für 1,49 Euro würde um moderate 2 Cent ansteigen; die Flasche Ouzo für 8,99 Euro immerhin um 15 Cent.

Doch auch ohne diese ist unser Radiobeitrag mit weiteren Zahlen empfehlenswert, welchen Sie hier und auf DRadio Wissen nachlesen können. καλή διασκέδαση!