Müsste man intuitiv antworten, ob wohl Rucksack- oder Pauschaltourismus eine größere Belastung für die Umwelt sind: Man würde sich vermutlich für den Pauschaltourismus entscheiden. Große Hotelblocks mit allen Arten von Zerstreuung, viele mitunter wenig bewusst lebende Menschen auf engem Raum und Buffets, von denen die Hälfte weggeworfen wird, treten vor unsere Augen. Ganz anders dagegen die, welche mit dem Rucksack durchs Land ziehen, in Herbergen übernachten und Interesse und Bewusstsein für die Umwelt entwickeln, in der sie sich bewegen. Doch geht die Rechnung „Schändliche Pauschal- vs. umweltfreundliche Rucksacktouristen“ auf? Und wie profitieren die Urlaubsregionen vom Tourismus?

Die Frage nach der Umweltbelastung muss aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden: Pauschalreisen sind meist so konzipiert, dass sie möglichst effizient sind. Ob der Bustransport vom Hotel zu den Ausflugszielen oder die Verpflegung durch die Großküche: Da alles für große Mengen konzipiert ist, sind die verwandten Ressourcen pro Kopf häufig vergleichsweise gering. Der Individualtourist, der in romantischen kleinen Lokalen isst, erhält sein Abendessen aus einer Küche, die längst nicht so energieeffizient arbeitet. Noch schlimmer für die Umwelt wird es aber bei einer Garküche am Straßenrand.

 

Im übrigen bleiben Pauschaltouristen ja eher am hoteleigenen Strand oder fahren zu den allgemein bekannten Tourismusattraktionen. Dort scheuchen sie normalerweise keine wilden Tierarten auf und ihr Müll wird vom Reinigungsdienst rasch entsorgt. Rucksackreisende zieht es dagegen ja gerade zu abgelegenen Orten, wo nicht alle hingehen. Ob sie sich dort dann immer umweltgerecht verhalten, bleibt fraglich. Und nicht zuletzt: Würden alle 1,1 Milliarden Touristen (2014) zu Rucksacktouristen werden und abgelegene und möglichst einsame Landflecken besuchen wollen, gäbe es bald schlicht keine mehr.

 

Nun aber auch zur Frage des finanziellen Nutzens für die Tourismusorte. Der Tourismusbeauftrage von Mallorca hat kürzlich vorgeschlagen, aufgrund der großen Masse von Touristen die Zahl zu begrenzen und eine Tagesgebühr einzuführen, da die Insel für den Erhalt ihrer Umwelt schlicht zu überlaufen sei.

 

Zunächst kann Pauschaltourismus natürlich in finanzieller Hinsicht viel bedeuten: Vom 10.000€-Luxusurlaub auf den Seychellen bis zum 499€-Saufurlaub am Ballermann ist alles enthalten. Und über Rucksacktouristen gibt es zumindest eine australische Studie, nach der Nordamerikaner am Tag im Schnitt rund 100 australische Dollar ausgeben, während es bei Australiern weniger als die Häfte ist.

Doch wann ist ein Gebiet von Touristen überlaufen? Mallorca kommt im Jahr auf 14 Touristen pro Einwohner. In Salzburg sind es dagegen ganzjährig 18 Touristen und auch ein großer Flächenstaat wie Spanien verkraftet ein Viertel mehr Touristen, als es überhaupt Einwohner hat. Allerdings eben zu großen Teilen in Form von kurzen Pauschalurlauben.

 

Und profitieren Urlaubsorte vom Tourismus so wenig, dass sie noch extra Gebühren für Umwelt und Infrastruktur benötigen? Zypen erzielt im Schnitt pro Einwohner Einnahmen von 2000€ durch ausländische Touristen, obwohl diese nur ca. 700€ ausgeben. Und die Virgin Islands in der Karibik verdienen 12.000$ pro Einwohner und damit das fünffache dessen, was die Touristen selbst ausgeben.

Man kann aber davon ausgehen, dass es sich Mallorca im Gegensatz zu anderen Tourismusorten schlicht leisten könnte, seine Gäste für den Umweltschutz extra zur Kasse zu bitten. Übertreiben sollte es dabei jedoch nicht: Für drei Viertel der Deutschen sind die Kosten der Reise bei der Wahl des Urlaubs laut einer repräsentativen Umfrage besonders wichtig.

 

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