Statistiken sollen solide sein, aber sie können sich auch auf hauchdünne Angelegenheiten beziehen. Beispielsweise auf unsere Haare. Oder auf das meist noch schwerer Greifbare, nämlich das Geld, welches mit unseren Haaren verdient wird.

 

Zwischen den Schätzungen darüber, wie viel Geld wir jährlich für Haarpflegeprodukte vom Shampoo bis zum Haargel ausgeben, liegen dagegen durchaus sichtbare Abstände. Auf einem bekannten Statistikportal findet man Angaben für Deutschland über 1,5 Milliarden €, aber auch für das Doppelte. Es kommt immer auf die Hochrechnung an und vermutlich haben alle ihre Plausibilität. Doch es gibt auch Gründe, eher von einer Zahl von 3 Milliarden auszugehen, wenn man den Anteil der Deutschen an der Weltbevölkerung (mehr als 1%) berücksichtigt. Diese gibt insgesamt jährlich ganze 100 Milliarden aus. Das wäre in Deutschland ein höherer Umsatz als jener der Fußball-Bundesliga, welcher auf ca. 2,2 Milliarden geschätzt wird. Natürlich gibt es auch Fußballprofis, die Werbung für Haarshampoo machen, aber dem soll hier nicht nachgegangen werden.

Man kann auch Statistiken zu den Geschlechtsunterschieden betrachten. Dass Männer trotz steigender Marketingbemühungen weniger Geld für Haarpflegeprodukte ausgehen, mag man auch schon vorher geahnt haben. Laut einer Umfrage wären es im Schnitt 6,39€ und damit nur ca. 7-14% des Gesamtmarktes. Überraschender auf den ersten Blick mag es da sein, dass Männer im Schnitt einmal öfter im Jahr zum Friseur, nämlich siebenmal, gehen. Auf den zweiten Blick leuchtet jedoch ein, dass die meist kürzeren Haare natürlich auch regelmäßiger nachgeschnitten werden müssen.

Beim Friseurgewerbe kann man nicht unbedingt von einem stark expandierenden Wirtschaftszweig sprechen. Deren Umsatz wächst im Schnitt nur 1-2% im Jahr. Dies hängt nicht zuletzt mit der großen Sättigung des Marktes zusammen – man braucht einfach nicht in jedem zweiten Straßenblock einen eigenen Friseursalon. Andererseits können Friseursalons auch von zwei Faktoren profitieren: Der wachsende Anteil von älteren Menschen geht häufiger zum Friseur und lässt mehr Geld da. Und der Friseurbesuch ist in unserer Gesellschaft ein derartiges Grundbedürfnis, dass weder persönliche, noch konjunkturelle Krisen das Geschäft bedrohen können.

Wer übrigens das Gefühl hat, in jedem Dorf gäbe es mindestens 1-2 Friseursalons, der täuscht sich nicht: Alleine an steuerpflichtigen und legal angemeldeten Friseursalons kommt einer auf ca. 1500 Einwohner. Noch größer wird die Friseurdichte, wenn man Kleinst- und Filialbetriebe hinzunimmt: Dann müssen sich nur rund 1000 Einwohner einen Friseurbetrieb „teilen“. Und die Schwarzarbeit ist dann noch nicht mitgerechnet, man geht aber von einem Umsatz von 3 Milliarden € aus. Dies wäre ein ganzes Drittel des Gesamtmarktes.

Wer den Umsatz der Friseure nach Bundesland vergleichen möchte, ist ebenfalls gut beraten, bei den Statistiken genau hinzusehen. Sonst wundert man sich, warum der durchschnittliche Umsatz pro Friseur in Hamburg beim Doppelten von Baden-Württemberg, nämlich bei 165.000€ liegen soll. Zu beachten ist, dass das expandierende System der Friseurketten mit Filialbetrieben auch den Durchschnittsumsatz verzerrt, wenn eine Kette als ein Friseurunternehmen zählt. Der „Klier-Effekt“ in Niedersachsen verzerrt beispielsweise den Durchschnittsumsatz um 20% nach oben.

Alles in allem wächst der Markt für Haarpflegeprodukte durchaus, während Friseure kaum noch weiter expandieren können. Dies mag ein Grund sein, warum Friseurbetriebe zunehmend ihre Leistungspalette erweitern und auch kosmetische Dienstleistungen wie Make-Up oder Fingernageldesign anbieten.

Unser Radiobetrag, den Sie hier (geschnitten) oder auf DRadio Wissen (in Laufe der Sendung) anhören können, liefert Ihnen dies und weitere Informationen, die sicher auch Ihren Friseur beim nächsten Besuch interessieren.