cleaning-lady-258520 640Die Temperaturen steigen, die Tage werden immer länger, kurz gesagt: Der Frühling flattert ins Haus. Zeit, sich Gedanken über den alljährlichen Frühjahrsputz zu machen!

Dieses Großreinemachen ist tatsächlich nach wie vor zeitgemäß. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2012 halten 60 Prozent der 18-49jährigen die Aktion im Frühling für „aktuell wie eh und je“, aber in der Generation 50+ stimmt dem nur die Hälfte der Befragten zu. Gerade für jüngere Menschen hat der Frühjahrsputz also noch immer einen gewissen Reiz.

Wie umfangreich er letztlich ausfällt, ist natürlich ganz individuell. Tatsache ist jedoch, dass für die Allermeisten das Fensterputzen dazugehört. Für rund die Hälfte der Befragten ebenfalls ein Bestandteil: das Waschen der Gardinen. Auf den weiteren Plätzen folgen dann das Vorbereiten der Balkonmöbel und das Einmotten von Winterkleidung.

Haushalt verschlingt Zeit – fragt sich nur wessen

Aber wer macht denn nun die anstehende (Haus-)Arbeit? Die – vielleicht nicht ganz so überraschende – Wahrheit: Bei erwerbstätigen Paaren ohne Kinder arbeiten Frauen mit durchschnittlich knapp dreieinhalb Stunden täglich fast eine Stunde länger im Haushalt als die Männer! Die meiste Zeit wird dabei für Kochen und Essensvorbereitung verbracht, aber auch die Reinigung der Wohnung nimmt nicht gerade wenig Zeit in Anspruch, jedenfalls was das weibliche Geschlecht anbelangt: Frauen wenden dafür fast eine Dreiviertelstunde täglich auf, während ihre männlichen Partner auf nicht einmal 15 Minuten kommen.

Dass die Gleichberechtigung bei diesem Thema nicht wirklich angekommen ist, wird noch deutlicher, wenn Kinder im Haus sind. Dann stecken Frauen trotz eigener Erwerbstätigkeit immer etwa fünf Stunden täglich in Haushalt und Familie, während das starke Geschlecht lediglich zweidreiviertel Stunden leistet – mit lächerlichen neun Minuten, die davon für die Reinigung der Wohnung abgehen.

Dabei ließe sich die Motivation hierbei anscheinend durch neue Elektrogeräte steigern. So behauptet einer Umfrage zufolge immerhin ein Drittel der männlichen Befragten, dass sie mehr Lust aufs Putzen hätten, wenn sie neue Elektrogeräte wie zum Beispiel einen modernen Staubsauger benutzen könnten. Wie so oft gilt hier aber: Was man in einer Befragung angibt und was man tatsächich tut, das sind zwei komplett unterschiedliche Paar Schuhe.

Klischees und was daran wahr ist

Ein Indiz, dass an der Aussage allerdings doch etwas dran sein könnte, ist folgendes: Männer beschäftigen sich im Haushalt tatsächlich am liebsten mit den handwerklichen Tätigkeiten. Dazu gehören kleine Reparaturen ebenso wie die Wartung von Haushaltsgegenständen und – wie könnte es anders sein – die Instandhaltung und Pflege des Familienautos. Mit solchen Dingen verbringen Männer mehr Zeit als Frauen.

Der „Gegenpol“ dazu: die Wäsche. Bei deren Pflege, wozu Waschen, Bügeln und ähnliches gehören, hält sich das starke Geschlecht bevorzugt zurück. Als Konsequenz entsteht für den Mann für diese Tätigkeit ein Minimalaufwand von durchschnittlich zwei Minuten (!) täglich, während Frauen damit über eine halbe Stunde verbringen. Ebenfalls bemerkenswert: Kinder steuern in der Familie pro Tag rund zehn Minuten zur Wohnungsreinigung bei. Ob diese Zeit überhaupt ausreicht, um das eigene Zimmer aufzuräumen? (Aus eigener Erfahrung müssen wir diese Frage verneinen.)

Wer hilft und wer lässt sich helfen

Natürlich besteht die Möglichkeit, sich einen Teil der Arbeit durch etwaige Haushaltshilfen abnehmen zu lassen. Der wahre Anteil der deutschen Haushalte mit Putzhilfe dabei gar nicht so einfach zu ermitteln. Verschiedene Umfragen liefern hierfür Werte von drei bis zehn Prozent für das regelmäßige oder gelegentliche Beschäftigen einer „dritten Haushaltsseele“.

Dass jene Personen nicht immer ordnungsgemäß als Minijobber angemeldet sind, steht wohl außer Frage: Bei 40 Millionen Haushalten entspricht der genannte Prozentbereich einer Zahl zwischen einer und vier Millionen Putzstellen, was ein Vielfaches der offiziell gemeldeten Zahl von ungefähr 265.000 Minijobbern ergeben würde. Selbst wenn mit einbezogen wird, dass einige geringfügig Beschäftigte sicher mehr als nur eine Putzstelle ausüben, dürfte die Dunkelziffer zumindest doppelt so hoch sein. Interessant, wenn vielleicht auch abermals nicht sonderlich überraschend: Neun von zehn gemeldeten Minijobbern sind dabei weiblich.

Nachvollziehbarerweise scheint die Bereitschaft, eine Putzhilfe einzustellen, mit dem Einkommen zu steigen: Gutverdiener geben eher als Durchschnittsverdiener an, eine Haushaltshilfe zu beschäftigen. Auch die Bereitwilligkeit, die Hilfe schwarz zu beschäftigen, ist bei den Gutverdienern größer. Was aber unter anderem einfach daran liegen könnte, dass sich viele Geringverdiener überhaupt nicht dafür interessieren, eine Putzfrau zu beschäftigen, egal ob legal oder nicht. Dennoch: Alles in allem putzt ein Großteil der Haushalte ohnehin lieber selbst...

Die Tücken des Putzens

... und nimmt dadurch auch das Risiko eines Unfalls auf die eigene Kappe. Eine Gefahr, die leider immens unterschätzt wird. So entstehen jährlich fast doppelt so viele fatale Heimunfälle wie Verkehrsunfälle, wobei Stürze die häufigste Ursache sind. Dabei könnten viele der Risiken schon durch ein paar einfache Vorsichtsnahmen gemindert werden.

Stattdessen sind viele Männer und Frauen ziemlich leichtsinnig, gerade beim Putzen. Beispielsweise gibt in einer Umfrage ein Viertel der Befragten an, statt einer sicheren Leiter einen Hocker oder Tisch zu verwenden, etwa um die Gardinen abzuhängen. Zudem steigt jeder Fünfte im Bad auch schon mal auf den Badewannenrand oder den Toilettendeckel und zwei Drittel lassen die – oft rutschigen – Hausschuhe beim Putzen an. Dies alles sind unnötige Gefahrenquellen, die leicht auszuschalten wären. Dass dann auch noch die Hälfte der Befragten selbst dann putzt, wenn sie sich eigentlich müde und erschöpft fühlen, dürfte sein Übriges zum hohen Unfallrisiko im Haushalt beitragen.

Also doch kein Frühjahrsputz?

Zurück zum Frühjahrsputz. Man könnte sich nun doch – insbesondere als Frau – fragen: Wozu dann überhaupt noch den leidigen Frühjahrsputz wagen, wenn er einerseits so gefährlich und langwierig ist, andererseits der Partner sowieso weniger und die Kinder wahrscheinlich sogar überhaupt nichts tun?

Abgesehen von dem schönen Gefühl, in einer blitzsauberen Wohnung zu leben, kann sich das Putzen aber auch positiv auf die Gesundheit auswirken. Wer saubermacht, bewegt sich dabei so viel wie bei leichtem Sport. Eine britische Studie hat sogar herausgefunden, dass körperliche Aktivität im Haushalt gegen depressive Verstimmungen hilft. Wer das im Hinterkopf behält, startet vielleicht doch etwas leichter in den Frühjahrsputz – und kann mit etwas Glück sogar den eigenen Partner davon überzeugen, doch ein bisschen mehr als sonst mitzuhelfen.