Steigen die Kaufpreise für die Immobilien in einer Stadt schneller als die Mieten, ist dies ein Indikator für eine drohende Immobilienblase. Müssen wir uns sehr bald Sorgen machen?

Aus einer Studie von Immoscout 24 spekuliert ein Artikel auf Spiegel Online, dass es in zahlreichen mittelgroßen Städten zu einer Immobilienblase kommen könne, wenn sich die einst erworbenen Immobilien nicht mehr gewinnbringend vermieten lassen. Unterschiede im Anstieg zwischen Kaufpreis und Miete von bis zu 42% für einige Städte klingen dabei auch sehr dramatisch. Allerdings basieren sie auch auf einem langen Zeitraum und einem interpretatorischen Missverständnis von Prozentangaben. Richtig gerechnet sind es nur 33% und das auch nur über sieben Jahre, also gerade einmal 4% im Jahr.

Auch weitere Faktoren sollten berücksichtigt werden: So kann man vermuten, dass nach der bisherigen Nichtverwirklichung der Mietpreisobergrenze bald wieder mehr Immobilien gekauft werden. Außerdem werden diese im Vergleich zur Anlage bei der Bank zunehmend attraktiver. Schließlich wissen wir auch nicht, ob die angegebenen Immobilienpreise am Ende dann auch tatsächlich verwirklicht worden sind oder hierbei noch verhandelt wurde.

Ferner werden von allen 76 mittelgroßen Städten in Deutschland (100.000 – 500.000 Einwohner) nur 13 im Artikel erwähnt. Der Chefanalyst von Immoscout spricht für den Bundesdurchschnitt von einem parallelen Anstieg. Daher kann man also zum Ausgleich davon ausgehen, dass in zahlreichen Städten die Mieten stärker als die Kaufpreise steigen.

Insgesamt droht die Gefahr einer Blase nur dann, wenn von einem starken Rückgang der Nachfrage ausgegangen werden muss. Mit der Ausnahme von Münster sind alle im Spiegel-Artikel genannten Städte jedoch Nachbarn eines Ballungsraums. Solange aber Städte wie München, Frankfurt a.M. oder Köln attraktiv bleiben, ziehen diese Nachbarstädte mit einer guten Verkehrsanbindung nach. Die Gefahr einer Blase scheint insgesamt also eher gering zu sein.