roses-279170 640Wir Deutschen sind Europameister, und zwar schon lange. Jedenfalls was das Verschenken von frischen Blumen angeht – mehr als drei Milliarden Euro sind letztes Jahr dafür über den Ladentisch gewandert. Rechnerisch hat jeder Bundesbürger, vom Säugling bis zum Greis, 40 Euro pro Jahr für Rosen, Tulpen, Nelken und andere Schnittblumen ausgegeben – so steht es jedenfalls im Internet. Das ist allerdings eine ziemlich unsinnige Rechnung. Zuerst muss man die Hotels, Gaststätten und Firmen herausrechnen und natürlich die Blumenmuffel abziehen. Tatsächlich reicht das Jahresbudget jedes Blumenkäufers dann für 20 Rosensträuße bei Aldi oder je einen 30-Euro-Strauß vom Fachhändler zum Valentins- und zum Muttertag.

Apropos Muttertag, welche Rolle spielt der für den Blumenhandel?

Muttertag ist nach Weihnachten der zweitwichtigste Umsatztag für den Schnittblumenabsatz. In Ostdeutschland steht der Muttertag beim Blumenkauf sogar auf Platz eins, während er in Westdeutschland noch mit dem Valentinstag und Ostern konkurriert. Wir geben in der Muttertagswoche doppelt so viel Geld für Blumen aus wie in einer normalen Woche, insgesamt über 120 Millionen Euro. Das ergibt bei einem Euro je Blume ein Blütenmeer so groß wie 35 Fußballfelder.

Wie hat sich das Geschäft in den letzten Jahren entwickelt?

Das Geschäft ist relativ krisenfest, nur Schnee und Eis halten uns Deutsche vom Blumenkauf ab. Allerdings gibt es seit dem Jahr 2000 einen leichten Abwärtstrend, wir kaufen relativ zu anderen Dingen immer weniger Schnittblumen. Was sich einerseits dadurch erklären lässt, dass wir immer mehr Topfpflanzen verschenken. Andererseits sind gerade zu dieser Zeit, im Jahr 2000, die Supermärkte mit Billigsträußen in den Blumenmarkt eingestiegen, so dass wir weniger für die Blumen bezahlen müssen.

Welche Schnittblumen werden wie oft verkauft?

flower-179004 640Von 100 Euro Blumen-Budget haben wir zuletzt 37 Euro für Rosen ausgegeben, elf Euro für Tulpen und nur drei Euro für Nelken. Dazwischen lagen Chrysanthemen, Gerbera und Lilien mit je fünf bis acht Euro. Sonnenblumen, Orchideen, Amaryllis und Anthurien (das sind die Schnittblumen mit den fleischigen, herzförmigen Blüten) zählen auch zu den Top Ten. Diese Zahlen der „Zentralen Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Landwirtschaft“ verschweigen aber, dass eine Rose viel weniger kosten als eine Orchidee. Im Schnitt kostet die Rose im Großhandel 25 Cent, Aldi & Co. zahlen nur ein Drittel. Die Mengenverhältnisse sind also noch extremer: Auf jede verkaufte Orchidee kommen rund 42 Rosen.

Wo kommen die Blumen her?

Vier von fünf Blumen werden importiert – und neun von zehn importierten Blumen kommen aus den Niederlanden. Diese Blumen sind aber längst nicht alle in den Niederlanden produziert, sondern häufig werden sie dort nur zwischengehandelt . Schätzungen zufolge stammt zumindest im Winter jede zweite Blume, die in Deutschland verkauft wird, aus Afrika und Südamerika. Der wichtigste außereuropäische Lieferant für Deutschland ist Kenia, gefolgt von Ecuador, Sambia, Kolumbien. Außerdem kaufen wir noch von Italien. Nur Orchideen kommen meistens aus Thailand.

Welche Unternehmen stehen dahinter?

Auf der einen Seite gibt es Rosenfarmen wie Sher Karuturi in Kenia. Wie groß die sind, weiß keiner so genau – bei der Fläche liegen die Schätzungen um bis zu 40 Fußballfelder auseinander. Ähnlich ist es bei den Arbeiterinnen (es sind viele) bei den Löhnen (sehr gering) und beim Gewinn. Dann gibt es natürlich auch kleine, deutsche Blumenhersteller. Zum Vergleich: Wenn Sher Karuturi das Fußballfeld wäre, dann wäre die durchschnittliche Anbaufläche eines deutschen Produzenten so groß wie eineinhalb Fußballtore.

Wer verdient daran wie viel?

lips-175597 640Hier kann man nur Schätzungen abgeben, weil die Zahlen nicht so genau sind. Aber grob kann man wohl davon ausgehen, dass im Blumenstrauß bei Aldi die Rose ungefähr 30 Cent kostet, davon gehen 20 Cent an den Discounter, zehn Cent an Sher Karuturi. Dort sieht es dann im Mittel so aus, dass von diesen zehn Cent je Rose sechs Cent für Anbau und Luftfracht draufgehen, gut drei Komma acht Cent sind Gewinn, und die Rosenpflückerin bekommt null Komma einen Cent. Im Fachhandel, der immer noch 70 Prozent aller Blumen verkauft, bleibt ähnlich viel Marge hängen – gerade weil im Supermarkt viele Blumen verwelken, bevor sie gekauft werden. Am Ende macht die Branche weltweit etwa 24 Milliarden Euro Umsatz, davon die Hälfte in Europa und davon wiederum ein Viertel in Deutschland.

Wie ist das mit den Treibhaus-Effekten?

Das wollte der Kölner Blumenladen „Blumen Rosinski“ einmal genauer wissen – und hat eine Studie zur Klimaverträglichkeit der Schnittblumenproduktion beauftragt. Die verwendeten Zahlen sind zwar schon gut 15 Jahre alt, aber das Ergebnis überrascht immer noch: Für eine Rose aus Kenia braucht man ein Neuntel so viel Energie wie für eine holländischen Rose. Und zwar für Transport und Produktion zusammen. Die Studie sagt, das Einfliegen der Rosen aus Kenia führe zwar zu 130 mal höheren CO2-Emissionen wie der LKW-Transport der Rosen aus Holland, aber Treibhäuser zu heizen sei für die CO2-Bilanz viel problematischer. Dazu kommt, heute braucht ein Flugzeug viel weniger Treibstoff als früher! Vermutlich bewegen sich die Verhältnisse deshalb immer noch in diesem Rahmen. Damit ist die CO2-Emission einer holländischen Rose am Ende viermal so hoch wie die einer südamerikanischen und 20 mal so hoch wie die einer deutschen.

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose...

...das gilt nicht, wenn man sich die Treibhauseffekte ansieht. Aber: Der Blumenhandel ist ein großes Geschäft – und wir Deutschen sind Europameister. Wenigstens im Blumenkauf.