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Soll es die Pille danach rezeptfrei geben? Ein Gegenargument ist oft ein dadurch angeblich verursachter Anstieg bei den Abtreibungen, aber ist das realistisch?

Wie oft wird sie verschrieben, wann wird sie verschrieben und wie wirkt sich ihr Einsatz auf Geschlechtskrankheiten aus?


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Pünktlich zum Weltfrauentag ist eine erschreckende Studie erschienen. Fast jede dritte Frau in Europa soll schon einmal Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden sein. Blättert man jedoch durch die Kommentare der großen deutschen Nachrichtenseiten, so geht ein Aufschrei durch die Reihen. Im Schutz der Anonymität wird auf den Feminismus geschimpft, werden reihenweise Quellen herangezogen, die angeblich beweisen, dass Frauen häufiger gewalttätig seien als Männer.

„Ein Aufschrei“ fand sich im letztem Juli auch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Hat sich der Feminismus verirrt?“, fragte der Publizist Ralf Bönt. Seine Behauptung: Männer leiden mehr unter dem Patriarchat als Frauen. Mit einer Reihe von Studien und Statistiken will er das belegen.

Statistik und Wahrheit

Tatsächlich ähneln Statistiken manchmal Irrgärten und man kann sich recht leicht darin verlaufen, gerade wenn man die Brille der Objektivität am Eingang abgibt. Aber der Reihe nach. Schauen wir doch einmal in die zitierten Studien und noch ein wenig über den Tellerrand, um zu prüfen, was an den Behauptungen dran ist.

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Häusliche Gewalt – wer schlägt wen?

Laut einer britischen Studie sollen, so der Artikel, Frauen dreimal häufiger wegen häuslicher Gewalt festgenommen worden sein. Diese Studie der Universität Bristol hat 128 Täter über sechs Jahre hinweg untersucht. Darin findet sich folgende Statistik: Wenn eine Frau gewalttätig wurde, dann wurde sie in drei von zehn Fällen verhaftet. Wenn Männer Täter waren, wurden sie hingegen nur in einem von zehn Fällen unter Arrest gestellt. Dieses „wenn“ ist entscheidend. Es heißt nämlich, dass Täterinnen mit dreimal so hoher Wahrscheinlichkeit von der Polizei abgeführt wurden wie Täter, und genauso steht es in der Studie.

Nichts davon sagt aus, ob Frauen häufiger gewalttätig waren oder nicht. Klar ist nur: die Polizei geht anders mit gewalttätigen Frauen um als mit gewalttätigen Männern. Warum, ist nicht klar. Vielleicht rufen Männer nur in besonders krassen Fällen nach Recht und Ordnung, während Frauen sich rascher Hilfe holen – dafür gibt es durchaus Indizien. Dennoch besagen die Zahlen das glatte Gegenteil von dem, was der Autor darstellt. Noch dazu bezieht sich die Studie nur auf Extremfälle, nicht auf den Durchschnitt aller Taten.

Als nächster Trumpf kommt die „Männerstudie“ der Evangelischen Kirche auf den Tisch. Diese zeigt angeblich, dass gleich viele Männer und Frauen handgreiflich werden. Nun, ganz so ist es nicht. Die Studie spricht von „gewaltaktiven“ Personen. Das umfasst auch verbale Gewalt, also Anschreien, Beschimpfen, Anspucken oder auch „Kontrollgewalt“. Damit ist gemeint, dass man sein Kind z.B. ignoriert oder einsperrt, wenn es nicht folgt. Das wollen wir nicht verharmlosen; auf Kinder können solche Verhaltenweisen, gerade von Müttern, geradezu traumatisierend wirken.

Trotzdem bleibt es dabei: Handgreiflich, also physisch gewalttätig, werden Männer häufiger als Frauen, Und zwar wesentlich häufiger; die britische Studie zeigt: doppelt so oft wie Frauen. Nimmt man alle Formen von Gewalt zusammen, dann sind 34,5 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen „Gewaltanwender“. Der Anteil bei den Männern ist demnach um knapp fünf Prozentpunkte (also um 15 Prozent) höher.

Täter-Frauen und Opfer-Männer (oder umgekehrt)?

Wie sieht es nun bei deutschen Studien aus? Die Gewalt innerhalb von Partnerschaften findet sich auch als Kategorie in der Polizeilichen Kriminalstatistik wieder. Bei den Körperverletzungen waren fast zwei von drei Opfern Frauen. Außerdem hat das Robert Koch Institut im vergangenen Mai die „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ veröffentlicht. Mit einem überraschenden Ergebnis. Einerseits gaben mehr Frauen als Männer zu, gegen ihren Partner schon einmal Gewalt ausgeübt zu haben. Umgekehrt wollten aber auch mehr Frauen als Männer schon einmal Gewalt durch ihren Partner erfahren haben. Wenn man den Zahlen glauben will, gibt es dreimal mehr Opfer-Frauen als Täter-Männer. Zugleich fanden sich um ein Drittel mehr Täter-Frauen als Opfer-Männer.

Das passt nicht zusammen – es fehlen sowohl schlagende als auch geschlagene Männer. Man muss schon genau hinsehen, damit sich die Verwirrung lichtet. Eine kleine Pilotstudie des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2004 weist explizit darauf hin, dass sich die Schwere der Gewalt zwischen den Geschlechtern deutlich unterscheidet. Zu Lasten der Frauen. Kein einziger Befragter gab an, von der Partnerin verprügelt oder zusammengeschlagen worden zu sein, aber 21 Prozent der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen.

Nun mag zum einen die Scham bei Männern eine viel größere Rolle spielen, so dass die Schwelle, ab der Gewalt zugegeben wird, höher liegen könnte als bei Frauen. Zum anderen definieren Männer Gewalt womöglich anders als Frauen. Ob bei einem Packen am Arm oder einem Schubsen schon die Schwelle zur Gewalt überschritten ist, beurteilen Männer und Frauen vielleicht unterschiedlich. Aus den Zahlen lassen sich aber zwei Schlüsse recht sicher ziehen: Bei häuslicher Gewalt gibt es eine hohe Dunkelziffer. Und Männer geben Gewalt seltener zu, egal ob sie Täter oder Opfer sind.

Ist die Lohnlücke nur ein Überstundenausgleich?

Immer wieder finden sich Statistiken zur Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Ignoriert man, dass Männer und Frauen in verschiedenen Berufen arbeiten, mit unterschiedlicher Qualifikation und Arbeitszeit, dann verdienen Frauen erschreckende 22 Prozent weniger als Männer. Bei gleicher Arbeit und Qualifikation schrumpft die Differenz auf sieben bis acht Prozent. Doch der Aufschrei folgt sofort: Männer leisten viel mehr unbezahlte Überstunden. Formal ist das korrekt.

Acht Prozent sind die bereinigte Lohndifferenz, die übrig bleibt, wenn man herausrechnet, dass Frauen öfter Teilzeit arbeiten, weniger in Führungspositionen sind und in anderen Branchen arbeiten. Die Differenz bei den Überstunden ist hingegen unbereinigt. Männer leisten monatlich ungefähr doppelt so viele unbezahlte Überstunden pro Monat, also 4,3, besagt eine Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle. Aber: Sie tun das nicht nicht bei gleicher Arbeit. Unbezahlte Überstunden nehmen schließlich zu, wenn Vollzeit gearbeitet wird und nicht Teilzeit, ebenso bei Führungspositionen.

Beides findet sich bei Männern häufiger als bei Frauen. Entweder vergleicht man also unbereinigte Überstunden mit unbereinigten Lohndifferenzen, dann sind es 22 Prozent und nicht 8 Prozent. Oder man bereinigt die Überstundendifferenz. Das macht die Studie aber nicht. Damit hinkt der Vergleich gewaltig.

Karriere – Frauen auf der Überholspur?

Weiter wird im Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung behauptet, dass bei der Neubesetzung von leitenden Positionen heute bereits zu 48 Prozent Frauen am Zug seien. Mit detektivischem Spürsinn kommt man darauf: Es stimmt! Nun ja, zumindest in gewisser Weise. Fast die Hälfte der Posten in den Vorständen und Aufsichtsräten von DAX-Unternehmen, die im Jahr 2012 neu besetzt wurden, ist an Frauen gegangen.

Darum sitzen momentan in Aufsichtsräten nur noch etwa fünfmal so viele Männer wie Frauen und in Vorständen nur noch 16mal so viele. Davor waren es siebenmal so viele Männer in den Aufsichtsräten, respektive 28mal so viele in den Vorständen. Das aufzuholen – wenn man es denn möchte – geht nur, wenn man frei werdende Stellen vorrangig mit Frauen besetzt. So gesehen sind 48 Prozent nicht viel. Abgesehen davon sind DAX-Vorstandsposten nicht gerade repräsentativ für leitende Positionen.

Frauen – das teure Geschlecht?

Zum Thema Gesundheit kann man gelegentlich lesen, dass Männer nur einen Bruchteil der finanziellen Aufwendungen im Gesundheitswesen, etwa bei der Krebsvorsorge erhalten, obwohl sie mehr Krebs haben als Frauen und häufiger daran sterben. Auch diese „schockierende Ungerechtigkeit“ relativiert sich rasch, wenn man die Fakten betrachtet. Das statistische Bundesamt hat für das Jahr 2006 berechnet, dass in Deutschland vier Prozent mehr Frauen lebten als Männer, dass aber ihre Gesundheitskosten in Summe um 36 Prozent höher waren.

Daran gibt es drei Haken. Erstens werden die Kosten für Schwangerschaft und Geburt nur Frauen zugerechnet, auch wenn Männer zumindest am Anfang einmal daran beteiligt waren. Zweitens werden Frauen älter, und im Alter kostet Gesundheit am meisten. Drittens, und das hängt indirekt auch mit Punkt Zwei zusammen, werden Männer im Alter oft von ihren Frauen gepflegt, Frauen aber von wesentlich teureren Pflegekräften – weil ihr Partner oft schon tot ist, wenn sie selbst pflegebedürftig werden.

Berücksichtigt man all dies und dazu noch die Tatsache, dass Männer laut Robert-Koch-Institut weniger Interesse an Prävention und Gesundheitsförderung zeigen, so stehen den vier Prozent mehr Frauen exakt vier Prozent mehr Gesundheitsaufwand gegenüber.

Macht das Patriarchat (oder der Feminismus) die Männer krank?

Nicht nur die Präventionslust, sondern auch die Risikoneigung der Geschlechter wird bedeutsam, wenn es um das Thema Krebs geht. Es stimmt, dass Männer, absolut und relativ gesehen, mehr Krebs haben als Frauen, und sie sterben daran auch häufiger. Zum Beispiel litten Männer mehr als doppelt so häufig an Lungenkrebs wie Frauen und siebenmal so häufig an Kehlkopfkrebs. Allerdings weisen sie auch mehr Risikofaktoren auf.

Laut Robert-Koch-Institut rauchen Männer häufiger als Frauen. Jede sechste Frau, aber jeder dritte Mann trinkt zu viel. Die Hälfte der Frauen, aber circa zwei Drittel der Männer haben Übergewicht. Das sind Risiken, die man (und frau) selbst in der Hand hat. Der Feminismus hingegen dürfte wohl kaum die Schuld daran tragen.

Angeblich sterben Männer nicht nur früher an Krebs, sondern auch, wenn sie ihre Frauen umbringen. Zumindest kommt eine Studie der Universität Liverpool zu dem Schluss, dass, statistisch gesehen, die Häufigkeit von Tötungsdelikten an Frauen mit der Lebenserwartung von Männern korreliert. Das Patriarchat schadet also vor allem den Männern? Vorsicht. Statistisch ist an der Studie tatsächlich wenig auszusetzen; beide Dinge hängen zusammen.

Dennoch relativieren die Studienautoren die Ergebnisse selbst. Verzeichnet ein Land viele Tötungsdelikte an Frauen,  so ist das zwar ein Indikator für ein ausgeprägtes Patriarchat, aber eben kein besonders guter. Nur – andere Daten gibt es nicht. Genauso gut könnte man die Tötungsdelikte an Männern heranziehen, denn die hängen änhnlich stark mit der Männersterblichkeit zusammen – was spontan zumindest etwas logischer erscheint. Dort, wo viel Gewalt herrscht, sterben sowohl Männer als auch Frauen früher, und parallel dazu ist oft das Bruttosozialprodukt gering. Es wäre sehr vermessen, hier von Einflüssen oder Ursachen zu sprechen. Darum sprechen die Autoren auch nur von Assoziationen – und dass das alles gründlicher untersucht gehört.

Hat sich der Feminismus verirrt?

Ob sich der Feminismus verirrt hat, wollen wir als Statistikerinnen nicht beurteilen. Aber zumindest in den Statistiken muss man sich nicht verirren. Ein bisschen Nachdenken und Nachrechnen hilft oft Wunder. Und es würde manch aufschreiendem Kommentator ganz gut zu Gesicht stehen.

Claudia Stuckart und Katharina Schüller

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Methusalem, der älteste in der Bibel erwähnte Mensch, soll einst mit 187 Jahren noch einen Sohn gezeugt und danach 782 weitere Jahre gelebt haben. Erst die in der Bibel beschriebene Sintflut konnte diesem unverwüstlichen Mann schließlich das Leben nehmen.

Solch biblische Altersspannen erreichen wir heutzutage zwar nicht mehr. Dennoch wächst unsere Lebenserwartung immer rasanter. Glaubt man den Forschern, werden in Deutschland statistisch gesehen mittlerweile mit jedem Tag, den man später geboren wird, sechs Stunden an Lebenszeit gewonnen! Das soll nicht heißen, dass man als (zukünftige) Mutter sein Kind möglichst spät bekommen sollte. Schließlich stellen alte Eltern wiederum einen Risikofaktor bezüglich der Lebenserwartung des Sprösslings dar. Nichtsdestotrotz verdeutlicht besagte Vorhersage das momentan laufende enorme „Lebensspannenwachstum“ ebenso wie die folgende Prognose der Wissenschaftler: Die Hälfte aller Mädchen, die nach 1970 geboren wurden, wird zumindest das stolze Alter von 100 erreichen.

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Älter werden durch Pessimismus?

Während die Fortschritte durch die medizinische Entwicklung uns alle betreffen, stellt sich die Frage, welche Faktoren die zu erwartende Lebenszeit einer einzelnen Person beeinflussen können. Die überraschende Antwort: Optimisten leben kürzer. Pessimismus ist dagegen ebenso mit einem im Mittel späteren Sterbezeitpunkt verbunden wie die Eigenschaft, besonders verantwortungsbewusst, gründlich und arbeitsam, kurz - gewissenhaft zu sein. Ganze vier Jahre mehr oder weniger an Lebenszeit soll dies laut dem Buch „THE LONGEVITY PROJECT“ ausmachen können. Die möglichen Ursachen dahinter: Optimistische und euphorische Menschen rauchen und trinken öfter als gewissenhafte, experimentieren zudem häufiger mit Drogen, fahren schneller Auto, gehen seltener zum Arzt und ignorieren dabei in höherem Maße dessen Rat. Dass das alles nicht unbedingt zu einer höheren Lebenserwartung beiträgt, scheint dann gar nicht mehr so abwegig...

Abgesehen von Zweifeln an der Repräsentativität der zugrundeliegenden Studie stellt sich hierbei allerdings die altbekannte Frage nach Korrelation und Kausalität. Sind viel Arbeit und viel Stress tatsächlich gut für ein langes Leben, oder vermeiden Menschen umgekehrt Stress, wenn sie weniger belastbar sind? Dann wäre die hohe Aktivität ein Indiz für eine gute Konstitution und mehr Stress wäre bei weniger robusten Menschen in Wirklichkeit schädlich. Was weiterhin zur Frage führt, ob die beschriebene Beziehung überhaupt linear ist: Ist mehr Engagement und Ängstlichkeit immer besser, oder entsteht irgendwann ein zu viel an Arbeitseifer und (Gefahren-)Vermeidungshaltung? Diese Überlegungen bleiben unbeantwortet.

Wie dem auch sei, so manch einer mag sich denken: Lieber lebe ich vier Jahre kürzer und dafür als Optimist, als vier Jahre länger als Pessimist. Immerhin hat auch die persönliche Lebensqualität ihre eigene Bedeutung. Derjenige dürfte durchaus Recht haben. Da eine solche Einstellung aber vielmehr von der Persönlichkeit als vom eigenen Willen abhängt, ist eine entsprechende Frage nach der „Entscheidung“ zwischen Optimismus und Pessimismus letztendlich müßig ... abgesehen davon, dass es hierbei wie bei so vielem sowieso keine Schwarz-Weiß-Unterscheidung, also klare Abgrenzung, gibt.

Lebenszeitkiller Rauchen ... und Armut

Wenig überraschend spielt auch das Thema Rauchen eine gewichtige Rolle. Die erwähnten vier „verlorenen“ Jahre der Optimisten sind nahezu eine Lappalie gegenüber den zehn Jahren, die Raucher durchschnittlich aufgeben. Eine ähnlich starke Auswirkung besitzt übrigens das Einkommen: Menschen mit weniger als 1500 € an monatlichem Bruttoeinkommen leben neun Jahre kürzer als welche mit mehr als 4500 €. Ob das jetzt daran liegt, dass gesundes Essen teurer ist als ungesundes, Privatkassenpatienten eine bessere Behandlung erfahren als gesetzlich Versicherte, oder doch ganz andere, unerwartete Ursachen dafür verantwortlich sind, eines ist sicher: Bedenklich ist diese Feststellung allemal.

Interessanterweise spielt für Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen selbst die Jahreszeit der Geburt eine Rolle. So leben Novemberkinder im Mittel ein Jahr länger als Maikinder. Andere Faktoren nehmen sogar noch früher Einfluss: Bei Unterernährung sowie Alkohol- und Nikotinkonsum der Mutter während der Schwangerschaft kann das Neugeborene durchaus ein Kilogramm weniger wiegen. Die Folgen können Diabetes und Bluthochdruck sein, zwei weitere maßgebliche Gründe für einen frühen Tod.

Der Nachteil des Mannseins

Während eine verantwortungsvolle Mutter diese frühzeitigen negativen Auswirkungen auf das Leben ihres Kindes leicht verhindern kann, lässt sich ein anderer pränataler Faktor schwerlich beeinflussen, auch wenn verschiedenste Internetforen immer wieder etwas anderes behaupten: das Geschlecht des Kindes. Dabei hat dieses bekanntermaßen eine hohe Bedeutung für das erwartete Todesalter. Schließlich werden in den meisten Industrieländern Frauen sechs bis acht Jahre älter als Männer. Einerseits mag dies am höheren Gesundheitsbewusstsein des weiblichen Geschlechts liegen. So gehen Männer beispielsweise seltener zum Arzt. Aber auch hormonelle Faktoren spielen eine entscheidende Rolle: Dass Testosteron eine lebensverkürzende Wirkung hat, lässt sich etwa durch das längere Leben von Eunuchen belegen. Unter anderem erhöht es die Risikobereitschaft, was ebenfalls erklären würde, warum 76 Prozent aller jugendlichen Unfallverursacher männlich sind. Und um den Bogen zur erhöhten Lebenserwartung durch Gewissenhaftigkeit zu schlagen: Möglicherweise kommt eine zurückhaltende und vorsichtige Persönlichkeit ja auch öfter bei Frauen vor.

Vierfach genäht hält besser

Aber wie genau lässt sich die eigene Lebenserwartung nun positiv beeinflussen? Einen Faktor haben wir schon kennengelernt: das Rauchen. Dieser ist aber beileibe nicht der einzige. Konkret fanden britische Forscher vier einfache Verhaltensregeln, die unser Leben um durchschnittlich 14 Jahre (!) verlängern: Nicht rauchen, etwas Sport treiben, nur mäßig Alkohol trinken und täglich fünf Portionen Obst und Gemüse essen. Im Gegensatz zu unserer Persönlichkeit sind dies Dinge, die wir Tag für Tag selbst kontrollieren können. Zudem sind sie nachweislich in der Lage, einen wichtigen Grundstein für ein langes und gesundes Leben zu legen. Länger zu leben ist also gar nicht so schwer wie vielleicht gedacht.

Und wer sich jetzt noch fragt, wie er in den ganz elitären Kreis der Über-100-Jährigen aufsteigen kann, dem sei eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts nahegelegt: Demnach lebt ein höherer Prozentsatz der „Super-Alten“ in Städten wie Hamburg oder München, was wahrscheinlich an der besseren medizinischen Versorgung in den Großstädten liegt. Wer sich nun aber überlegt, in eine solche Stadt umzuziehen, dem sei abschließend gesagt: Die Befragung zeigt auch, dass überdurchschnittlich viele der Methusalems ihr Leben lang am gleichen Ort gelebt haben und ein stabiles soziales Umfeld hatten. Demnach wäre es möglicherweise also doch besser, nicht umzuziehen. Insofern müssen die genannten 14 Jahre gewonnene Lebenszeit vielleicht fürs Erste einfach reichen...

 

Oliver Engl und Katharina Schüller

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Laut einer neuen Studien könnten mehr als 10% der Deutschen Erwachsenen diesen Text nicht oder nur mit größten Schwierigkeiten lesen.

Wie viele Menschen sind Analphabeten, und wie wirkt sich die Definition des Wortes Analphabet auf diese Zahlen aus?

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Sebastian Edathy„Das Edathy-Theorem ist (...) auf Seiten der Ermittler“, behauptet Thomas Darnstädt auf Spiegel Online (Beitrag vom 18.02.2014, „Der Justizirrtum“[i]). Darnstädt argumentiert, dass die Bayesianische Statistik das theoretische Fundament liefere für das Vorgehen der Staatsanwaltschaft, aus dem Vorliegen strafrechtlich nicht relevanten Materials auf das Vorliegen von weiterem, strafrechtlich durchaus relevanten Material zu schließen. Weil der Anteil von Besitzern legaler Nacktbilder von Kindern unter den Konsumenten von Kinderpornographie höher sei als unter Bürgern, die nicht zu solchen Konsumenten zählen, sei der Umkehrschluss erlaubt. Dieser lautet, so Darnstädt: „Wer legale Nacktbilder von Knaben sammle, der habe vielleicht auch Schlimmeres.“

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STAT-UP wurde als eines von rund 100 bayerischen Unternehmen für die Initiative "Mit ElternKOMPETENZ gewinnen" des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration ausgewählt. Mehr Informationen zur Initiative finden Sie unter http://www.kompetenzgewinn.bayern.de/.

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Alle Jahre wieder bringt ein Ereignis in Deutschland Millionen auf die Straße und der Getränke- und Backindustrie Rekordbilanzen. Ob Karneval, Fasnacht oder Fasching – die dialektalen Begriffsvarianten sind ebenso vielfältig wie die Traditionen. Bald schon jede Stadt greift auf eigenes Brauchtum zurück. Was früher vor allem das Rheinland und den südwestdeutsch-schweizerischen Raum umfasst hat, findet sich heute nahezu überall in Deutschland. Fragt man die Deutschen, wie sie die fünfte Jahreszeit denn nennen, so antworten mittlerweile die meisten, 44%: „Fasching“. Die traditionelleren Bezeichnungen „Karneval“ bzw. „Fasnacht“ sind mit 37% bzw. 15% weniger verbreitet.

Woher der Name jedoch kommt, darüber kann nur ein Drittel überhaupt Vermutungen anstellen. Die meisten gehen davon aus, es hänge mit dem Beginn der christlichen Fastenzeit zusammen. Tatsächlich reichen die Vorläufer des Faschings weit bis vor die Christianisierung zurück. Und auch in den heutigen Festen finden sich Reste heidnischen Brauchtums.

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